Wahlanfechtung – Die Meister der Inszenierung

Natürlich weiß die FPÖ, dass sie mit der Anfechtung der Wahl keine Chancen auf Erfolg haben. Darum geht es ihnen auch überhaupt nicht, sondern darum ein Problem möglichst lange „am Köcheln“ zu halten. Um die Inszenierung, „wir die Opfer“, die Unbeugsamen, die für Recht und Ordnung kämpfen gegen „die da oben“, die uns unterdrücken und betrügen.

Dieses Schema hat schon unter Haider sehr gut funktioniert, z.B. beim legendären Ortstafelstreit. Stefan Petzner beschreibt dies in seinem Buch sehr gut:

 

Für mich waren die Ortstafeln ein Schulbeispiel dafür, wie Haiders Rechtspopulismus funktionierte. Er identifizierte den Konflikt und nutzte ihn instinktsicher für sich. Die deutschsprachigen Kärtntner gegen die Slowenen mit ihren dreisten Forderungen: Das war das Thema des Stückes, in dem er so gut wie seine ganze politische Karriere lang schon die Rolle des unbeugsamen Helden gespielt hatte. Sein Interesse bestand freilich jahrzehntelang nicht darin, das Problem zu lösen, sondern immer nur darin, es möglichst lange am Leben zu erhalten, um die damit verbundenen Ressentiments für seine Inszenierung nutzen zu können. Mit deftigen Ansagen schürte er diffuse Ängste vor einer slowenischen Unterwanderung Kärntens, die in Wirklichkeit so nie möglich gewesen wäre. „Mit zweisprachigen Ortstafeln fängt es an, und am Ende ist ganz Kärnten zweisprachig“, sagte er in seinen Reden.

 

Zu einer Inszenierung gehören bekanntlich immer mehrere Parteien: Die Veranstalter, die Akteure und natürlich – davon lebt die Inszenierung – die Zuseher. Die Zuseher, das sind in diesem Fall wir alle die dieser Partei die volle Aufmerksamkeit entgegenbringen: die Medien, die Beklatscher der Inszenierung und aber auch die Buh-Rufer. Die Frage ist nun, wie gehen wir mit dieser Inszenierung um? Die Inszenierungen können wir nur schwer verhindern und auch die Akteure haben – mehr oder weniger – freies Geleit in ihrer Darstellung. Sehr wohl beeinflussen können wir jedoch, ob wir uns von dieser Propaganda hinters Licht führen lassen und ihr so erst zum gewünschten Erfolg verhelfen.

 

„Rechtspopulistische Politiker inszenieren sich als „echt“, als „authentisch“, gleichzeitig als „erfrischend anders“ und werden gerade so zum Star. Die Medien verkaufen mit dem Star ihre Auflage. Sie heben den umstrittenen Populisten auf die Titelseite, was ihnen merkbare Verkaufszuwächse bringt, die Star-Aura des Populisten gleichzeitig aber wieder verstärkt. Dabei ist nahezu irrelevant, ob sie den Populisten anhimmeln oder dämonisieren.

Feiern sie ihn, kann es ihm recht sein. Warnen sie vor ihm und brandmarken sie seine Gefährlichkeit, kann es ihm genauso recht sein – dann ist er in seiner Rolle als „Tabubrecher“ bestätigt, der vom gesamten Establishment bekämpft wird, vom Medienestablishment inklusive. Kritische Berichterstattung wird dann als „Verfolgung“, als Missbrauch der Pressefreiheit charakterisiert, die ihn, den rechtspopulistischen Politiker, der unbequeme Wahrheiten ausspricht, mundtot machen will.“
Quelle: Rechtspopulismus und Medien – eine nicht immer widerwillige Symbiose / von Robert Misik

 

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